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Bericht · marine life

Korallenbleiche verstehen: Was Taucher wissen müssen

March 30, 2026 3 min read

Korallenbleiche verstehen: Was Taucher wissen müssen

Wer in den letzten zehn Jahren tropische Riffe getaucht hat, hat wahrscheinlich gebleichte Korallen gesehen — weiß, skelettartig oder von einem fahlen, gespenstischen Grau dort, wo Farbe sein sollte. Korallenbleiche ist eine der sichtbarsten Folgen der Ozeanerwärmung, und zu verstehen, was passiert und wie die Prognose lautet, gehört inzwischen zum Grundwissen jedes informierten Tauchers.

Was Bleiche ist

Korallen sind Tiere — winzige Polypen, die Skelette aus Calciumcarbonat bauen — beziehen aber den Großteil ihrer Energie aus symbiotischen Algen namens Zooxanthellen, die in ihrem Gewebe leben. Die Algen betreiben Photosynthese mit Sonnenlicht und teilen die entstehenden Zucker mit der Koralle. Im Gegenzug bietet die Koralle Schutz und das CO₂, das die Algen brauchen.

Wenn die Wassertemperatur den Toleranzwert der Koralle übersteigt — typischerweise 1–2 °C über dem saisonalen Maximum über einen längeren Zeitraum — stößt die Koralle ihre Zooxanthellen aus. Ohne die Algen wird das Gewebe transparent und das weiße Skelett darunter sichtbar. Das ist die Bleiche.

Eine gebleichte Koralle ist nicht tot. Sie ist gestresst und am Verhungern. Kehren die Temperaturen innerhalb weniger Wochen zur Normalität zurück, können die Algen das Gewebe wiederbesiedeln und die Koralle erholt sich. Halten die erhöhten Temperaturen an, verhungert die Koralle und stirbt — und hinterlässt ein weißes Skelett, das schließlich von Algen besiedelt wird, sich zunächst grau und dann grün färbt.

Warum es schlimmer wird

Korallenbleiche hat es schon immer gegeben. Das Problem ist die Häufigkeit. Das Great Barrier Reef erlebte sein erstes dokumentiertes Massenbleichereignis 1998. Zwischen 1998 und 2010 traten große Bleichereignisse etwa alle 5–7 Jahre auf — lange genug, damit sich Korallen zwischenzeitlich teilweise erholen konnten. Seit 2016 gab es Bleichereignisse am GBR in 2016, 2017, 2020, 2022 und 2024 — ohne ausreichende Erholungszeit dazwischen.

Das Ereignis von 2016 tötete etwa 50 % der Flachwasserkorallen am nördlichen Great Barrier Reef. Viele dieser Korallen haben sich nicht erholt.

Tauchen über gebleichten Riffen

Ein gebleichtes Riff sieht anders aus als ein gesundes Riff, und 'anders' kann vieles heißen:

  • Frisch gebleicht: Leuchtend weiß, manchmal fluoreszierend — vorübergehend eindrucksvoll, sofort beunruhigend
  • Vor kurzem abgestorben: Weiß, das ins Graue übergeht und von fadenförmigen Algen besiedelt wird
  • Lange tot: Grau-grüner Algenteppich, gelegentliche kleine Korallen versuchen sich neu anzusiedeln; Fischvielfalt deutlich reduziert

Taucher in Okinawa (Japan) haben in den letzten Jahren ganze Riffabschnitte erlebt, die zwischen aufeinanderfolgenden Jahresbesuchen von Kategorie eins zu Kategorie drei übergegangen sind. Die Entwicklung an schlecht geschützten Spots ist klar.

Was Taucher tun können

Die ehrliche Antwort: Die Handlungen einzelner Taucher haben begrenzten direkten Einfluss auf die Meerestemperatur. Die strukturelle Antwort ist politisch und wirtschaftlich. Trotzdem:

  • Verwende riffsicheren Sonnenschutz (oder gar keinen) — Oxybenzon und Octinoxat schädigen Korallen schon in geringen Konzentrationen
  • Berühre niemals Korallen — das Hautfett der Hände beschädigt die Schleimschicht; gebleichte Korallen sind besonders empfindlich
  • Unterstütze Meeresschutzgebiete — die Belege dafür, dass MPAs die Riff-Resilienz gegenüber Bleichereignissen erhöhen, sind robust
  • Beteilige dich an Monitoring-Programmen — Citizen-Science-Programme wie CoralWatch schulen Taucher darin, Bleichbeobachtungen systematisch zu melden
  • Wähle Anbieter mit Naturschutzverpflichtung — Anbieter, die ihre Crew im Korallenmonitoring schulen und Ankerschäden vermeiden, machen einen messbaren Unterschied

Die Prognose

Bei 1,5 °C globaler Erwärmung (dem Schwellenwert des Pariser Abkommens) wird ein Rückgang von etwa 70–90 % der Korallenriffe erwartet. Bei 2 °C wird prognostiziert, dass über 99 % der tropischen Korallenriffe jährlich Bleichereignisse erleben — zu häufig, um sich zu erholen. Der wissenschaftliche Konsens lautet: Die schlimmsten Folgen lassen sich nur durch sofortige und substanzielle Emissionsminderung vermeiden. Die Riffe, die Taucher heute besuchen, sind nicht die Riffe, die ihre Kinder bei aktueller Entwicklung besuchen werden.

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