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Bericht · marine life

Seenadeln und Seepferdchen: Meister der Tarnung

February 5, 2026 2 min read

Eine Familie ungewöhnlicher Fische

Seepferdchen und Seenadeln gehören zur Familie Syngnathidae — einer Gruppe, die auch Seedrachen, Pipehorses und (in der eng verwandten Familie Solenostomidae) Geisterpfeifenfische umfasst. Syngnathiden teilen ein charakteristisches anatomisches Merkmal: eine röhrenförmige Schnauze mit einem kleinen, zahnlosen Maul am Ende, mit dem sie Beute — meist winzige Krebstiere (Copepoden, Amphipoden, Mysidgarnelen) — durch Sog im Ganzen einsaugen.

Männliche Schwangerschaft

Syngnathiden sind die einzigen Wirbeltiere, bei denen das Männchen die sich entwickelnden Embryonen trägt und versorgt. Bei Seepferdchen legt das Weibchen die Eier in die Bruttasche des Männchens, wo sie befruchtet, in spezialisiertes Gewebe eingebettet und über eine plazentaähnliche Struktur mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Das Männchen trägt die Jungen je nach Art und Wassertemperatur 10-45 Tage und entlässt sie in rhythmischen Geburts-Kontraktionen lebend in die Welt.

Diese männliche Schwangerschaft stellt eine vollständige Umkehr des typischen Wirbeltier-Fortpflanzungsmodells dar.

Seepferdchen-Anatomie und -Fortbewegung

Seepferdchen haben keine Schuppen — ihre Haut ist über ineinandergreifende Knochenplatten gespannt, die ein starres Außenskelett bilden. Sie schwimmen aufrecht, angetrieben von einer Rückenflosse, die 30-70 Mal pro Sekunde schlägt. Der Greifschwanz, der sich um Gorgonienzweige oder Seegras schlingt, verankert das Tier in der Strömung.

Seepferdchen sind bemerkenswert schlechte Schwimmer — ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 1,5 Metern pro Stunde. Das Zwergseepferdchen (Hippocampus zosterae) gilt als der langsamste Fisch der Welt. Diese Limitierung hat die Entwicklung ihrer zentralen Überlebensstrategie vorangetrieben: die kryptische Tarnung.

Tarnung und das Pygmäenseepferdchen

Die Pygmäenseepferdchen (Gattung Hippocampus, speziell H. bargibanti, H. denise, H. pontohi, H. colemani u. a.) sind das extreme Beispiel. H. bargibanti, die 1969 beschriebene ursprüngliche Pygmäenart, wurde nicht von einem Forscher am Riff entdeckt — sie fiel erst auf, als ein Gorgonienfächer (der Gattung Muricella) ins Labor gebracht und die Koralle genauer untersucht wurde. Das Tier, maximal 2,4 cm groß, stimmt exakt mit Farbe, Textur und noppiger Oberfläche seiner Wirtskoralle überein.

Jedes H. bargibanti lebt auf einer bestimmten Gorgonien-Wirtsart und passt nur deren Farbmorph an. Graue Individuen findet man auf grauen Gorgonien; pink-orangefarbene auf pink-orangefarbenen.

Sie auf einem Tauchgang finden

Pygmäenseepferdchen verlangen einen Guide, außergewöhnliche Augen und Geduld. Bei 2-2,4 cm, in perfekter Tarnung auf einem Gorgonienfächer, sind sie für das ungeübte Auge unsichtbar. Lokale Guides in Raja Ampat, Lembeh und der Bandasee markieren bekannte Gorgonien und finden die Seepferdchen über das charakteristische Auge — einen gelben oder orangen Ring um die Pupille, der etwas sichtbarer ist als die Körpertarnung.

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