Warum Riffhaie wichtig sind
Riffhaie sind die Spitzenprädatoren, die indopazifische und karibische Riff-Ökosysteme strukturieren. Ihre Anwesenheit zeigt ein gesundes, funktionierendes Riff: Das Nahrungsnetz, das große Räuber trägt, muss intakt sein, damit Räuberbestände gedeihen. Ein Riff ohne Riffhaie ist ökologisch degradiert — nicht zwingend tot, aber ohne seine regulierende Spitze.
Für Taucher zählen Riffhaie auch zu den am verlässlichsten anzutreffenden Haien beim Sporttauchen. Die Arten zu kennen, die Verhaltensweisen zu verstehen, die Aggression vorausgehen, und sich richtig zu nähern, ergibt deutlich bessere Begegnungen, als alle grauen Silhouetten in einen Topf zu werfen.
Grauer Riffhai (Carcharhinus amblyrhynchos)
Bestimmung: oberseits grau, unten weiß; markant weißer Hinterrand der Rückenflosse; schwarzer Hinterrand der Schwanzflosse. Meist 1,5–2 m. Der häufigste Riffhai im Indopazifik.
Verhalten: die Art, die am häufigsten Drohgebärden zeigt — Warnverhalten vor einem Angriff. Die klassische Pose: gewölbter Rücken, nach unten geneigte Brustflossen, übertrieben weite Seitwärtsbewegungen. Wer das sieht, weicht langsam zurück und drängt das Tier nicht in die Enge.
Graue sind territorial. Sie patrouillieren bestimmte Riffabschnitte und reagieren defensiv auf Taucher, die zu schnell näherkommen, sie in die Enge treiben oder enge Räume betreten, in denen sie sich gefangen fühlen. Schwimme in einem schmalen Kanal oder einer Spalte nicht auf einen grauen Riffhai zu.
Wo zu finden: Blue Corner (Palau), Fakarava (Französisch-Polynesien), Rangiroa, Ari-Atoll-Kanäle (Malediven), Riffkanten am Roten Meer.
Weißspitzen-Riffhai (Triaenodon obesus)
Bestimmung: schlanker grauer Körper; markante weiße Spitzen an der ersten Rückenflosse und am oberen Schwanzlobus — das definierende Merkmal. Meist 1,2–1,7 m. Deutlich schlanker als der Graue.
Verhalten: tagsüber gehören Weißspitzen zu den ruhigsten Riffhaien — meist ruhend auf Sandflächen oder in Riffspalten gekeilt. Sie sind nicht so territorial wie graue Riffhaie und weichen nahenden Tauchern meist aus oder bleiben einfach liegen und beobachten.
Nachts verändern sich Weißspitzen. Sie jagen kooperativ in Gruppen von 2–6, treiben Rifffische in Spalten und wechseln sich beim Verfolgen ab. Nachttauchgänge an gesunden indopazifischen Riffen bringen häufig jagende Weißspitzen-Gruppen — eines der spektakulärsten Verhalten im Sporttauchen.
Wo zu finden: Cocos Island (in enormer Zahl), Galápagos, Ari-Atoll (Malediven), Komodo, Palau.
Schwarzspitzen-Riffhai (Carcharhinus melanopterus)
Bestimmung: oben grau, unten weiß; schwarze Spitzen an allen Flossen, besonders an der ersten Rückenflosse und Schwanzflosse. Meist 1,2–1,6 m. Häufig in extrem flachem Wasser — die typische Silhouette von Haifischflossen in 50 cm Wasser über Riffflächen.
Verhalten: in stark betauchten Gebieten zu den scheuesten Riffhaien gehörend. Schwarzspitzen in Bereichen mit häufigem Tauchverkehr (Hausriffe maledivischer Resorts, Korallensee) gewöhnen sich und können dicht herankommen. In wenig betauchten Bereichen flüchten sie beim Anblick eines Tauchers. Selten aggressiv.
Schwarzspitzen sind für die meisten 'Hai-Bisse' in tropischen Zielen verantwortlich — fast immer Knöchelbisse bei watenden Fischern oder Schwimmern in trübem, fischduftenden Wasser. Für Taucher ungefährlich.
Silberspitzenhai (Carcharhinus albimarginatus)
Bestimmung: größer als die obigen Arten (meist 2–2,5 m); grau mit markanten weißen Säumen an allen Flossen — nicht nur Spitzen, sondern komplette Hinterränder. Deutlich kräftigerer Bau.
Verhalten: Silberspitzen sind mutig und neugierig — sie nähern sich Tauchern beharrlicher als Graue oder Weißspitzen und sind weniger berechenbar. Sie sind eher mit äußeren Riffwänden und pelagischen Umgebungen assoziiert als mit dem Riffdach. Bekannt dafür, langsam heranzutreiben, zu kreisen und dann zu verschwinden oder weiter zu kreisen.
Wo zu finden: äußere Wände in Palau, obere Pässe Fidschis, Ras Mohammed (Rotes Meer), Cocos Island neben den Weißspitzen.
Karibischer Riffhai (Carcharhinus perezi)
Bestimmung: oben graubraun, unten cremeweiß; abgerundete Flossen ohne markante Spitzen. Meist 1,8–2,4 m. Der wichtigste Riffhai der Karibik.
Verhalten: in der Karibik stark an Taucher gewöhnt. Häufig in losen Ansammlungen an Putzerstationen oder Drift-Spots. Die Hai-Fütterungen in Beqa Lagoon (Fidschi) und Shark Alley (Bahamas) bestehen vor allem aus Karibischen Riffhaien und Zitronenhaien. Ohne Köder meist gelassen, neugierig ohne Aggression.
Wo zu finden: Turks and Caicos, Bahamas, Cayman-Inseln, Belize, Bonaire.